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Argentinien
- Bevölkerung
Argentinien hat eine Bevölkerung von etwa 36,3 Millionen Einwohnern
(Zensus 2001, Quelle: [1]).
Dies entspricht einer Bevölkerungsdichte von 13 Einwohnern/km2.
Etwa
87 % der Bevölkerung leben in Städten von mehr als 2 000
Einwohnern, wovon allein 11,5 Millionen auf die Agglomeration Gran
Buenos Aires entfallen. Diese hat eine Bevölkerungsdichte von
2 989 Einwohnern/km2.

Buenos
Aires ist eine sehr geschäftige Stadt.
Foto: Armin Holp
Die
Stadt und die gesamte Provinz Buenos Aires zusammen haben 16,6 Millionen,
die Provinzen Córdoba und Santa Fe jeweils ca. 3 Millionen,
so dass in diesen drei im zentralen Teil des Landes gelegenen Provinzen
zusammen mehr als 60 % der Bevölkerung leben.
Weite
Teile des übrigen Landes sind dagegen sehr dünn besiedelt,
vor allem im trockenen Süden, wo nur etwa ein bis drei Einwohner/km2
leben.

In Patagonien
wohnen nur sehr wenige Menschen wie hier bie Bariloche.
Foto: Gerardo: Contreras
Nachfahren der Europäer
Mehr als 90 % der Bevölkerung stammen nach der offiziellen
Statistik von eingewanderten Europäern ab, hiervon etwa 36
% von Italienern, circa 29 % von Spaniern und etwa 4-5 % von Deutschen.
Nach neueren Berechnungen ist jedoch der Anteil von Mestizen höher
als bisher angenommen. Dies kommt daher, dass die Mestizen früher
unter einer starken Diskriminierung zu leiden hatten und sich daher
als "Weiße" ausgaben.
Indigene Bevölkerung
Eine Minderheit der Argentinier sind Nachkommen von insgesamt 30
Indianerstämmen, die vor dem Eintreffen der Spanier auf dem
Landesterritorium lebten. Dies liegt einerseits daran, dass Argentinien
vor der Kolonialzeit nur im Nordwesten dicht bevölkert war,
zum anderen auch daran, dass die verbleibenden Indianer von den
Spaniern und später von den Argentiniern weitgehend ausgerottet
wurden. Genaue Zahlen sind derzeit nicht bekannt, die Zahl der Indianer
wird vom staatlichen Indianerinstitut INADI auf etwa 1 Million,
von Seiten der Indianerorganisationen wie der AIRA (Asociación
de Indígenas de la República Argentina) jedoch auf
mehr als 1,5 Millionen geschätzt. Genaue Zahlen werden 2004
in einem Sonderzensus ermittelt werden, bei dem die indigene Bevölkerung
befragt werden soll.
Die
größten Gruppen sind hierbei die Kollas in Jujuy und
Salta, die Mapuche (Araukaner) in Neuquén und Río
Negro sowie die Wichi und Toba im Chaco und in Formosa. Nur eine
Minderheit der Indianer lebt in ihren angestammten Siedlungsgebieten,
viele sind in die Großstädte übergesiedelt, wo sie
oft unter ärmlichen Bedingungen als schlecht bezahlte Arbeiter
leben. So gibt es in Rosario und Resistencia Viertel, die nur von
Toba-Indianern bewohnt werden, das selbe gilt für Kollas in
San Salvador de Jujuy und San Miguel de Tucumán. Seit den
80er Jahren erstarken innerhalb dieser Stämme Bewegungen, die
traditionelle Kultur gezielt zu erhalten und verbreiten, etwa über
Radiostationen und an Schulen.

Die
Guarany-Indianer leben an der Grenze zu Paraguay.
Foto: E. Waldbrenner
Ausländer und Zuwanderung
Etwa vier Prozent der Bevölkerung sind Ausländer. Einwanderung
gibt es heute vor allem aus den Nachbarländern Bolivien, Chile,
Paraguay und Uruguay sowie aus dem südamerikanischen Staat
Peru. Insgesamt kommen etwa 68 % der Einwanderer aus amerikanischen
Staaten. Etwa zwei Prozent aller Einwanderer kommen aus Asien (hauptsächlich
Koreaner).
Seit
den 1990er Jahren findet man immer mehr so genannte ambientelle
Migranten aus Europa, die hauptsächlich wegen der unberührten
Natur hierher ziehen. Die Einwanderer aus Europa repräsentieren
etwa 28 % der Ausländer.

Deutsche
Einwanderer beim Oktoberfest in Villa General Belgrano.
Foto: Armin Holp
Religion
Mehr als 90 % der Bevölkerung sind römisch-katholischen
Glaubens. Im Nordwesten Argentiniens haben sich die christlichen
Riten mit der Religion der Ureinwohner vermischt (Pachamama-Kult).
Weitere bedeutende Minderheiten bilden Juden, Protestanten und Moslems
(vor allem im Nordwesten).
Sprache
Alleinige Amtssprache ist in Argentinien Spanisch. Daneben existieren
eine Reihe von mehr oder weniger bedeutenden Minderheitensprache,
die von der indigenen Bevölkerung gesprochen werden. Die wichtigsten
darunter sind das Quichua und das Guaraní, in manchen Gegenden
wird aber auch noch Mapudungun gesprochen.
Die
Aussprache des argentinischen Spanisch, das die Argentinier Castellano
nennen, unterscheidet sich deutlich von der in Spanien und auch
von der in anderen lateinamerikanischen Ländern üblichen.
Der Buchstabe ll wird wie das deutsche sch ausgesprochen (also auch
"Castescháno"), ebenso zwischen Vokalen der Buchstabe
y. Der Buchstabe z wird immer wie ein stimmloses s ausgesprochen,
das gleiche trifft auf das c vor e und i zu. Des weiteren herrscht
in Argentinien der voseo vor, d.h. anstatt des Personalpronomens
tu für die 2. Person Singular wird vos verwendet. Die Verben
werden dabei anders konjugiert (im Präsens immer endbetont
und mit abweichenden Imperativformen). Weiterhin wird die 2. Person
Plural vosotros auch in informeller Sprache durch die 3. Person
Plural ustedes ersetzt, die im europäischen Spanisch nur die
Höflichkeitsform ist. Darüber hinaus gibt es eine Reihe
lexikalischer Abweichungen.
Während
die Nachfahren der italienischen Einwanderer in Argentinien die
Sprache ihrer Vorfahren aufgegeben haben, wird von den Nachfahren
der deutschsprachigen und englischsprachigen Einwanderer teilweise
noch die Sprache ihrer Vorfahren gepflegt. So gibt es Stadtviertel
im Großraum Buenos Aires, wo man noch sehr viel Deutsch hört.
In der Provinz Córdoba gibt es eine relativ große Kolonie
von Überlebenden der Graf Spee, die sich in Villa General Belgrano
niederließen, wo heute noch teilweise Deutsch gesprochen wird.

Die
Muttersprache dieser Indianer ist Guarany.
Foto: Adolf Holp
Soziale
Situation
Die soziale Situation des Landes ist in mehrerer Hinsicht durch
eine starke Ungleichheit gekennzeichnet. So gibt es einerseits ein
sehr großes Wohlstandsgefälle zwischen Ober- und Unterklasse.
So gehören die argentinischen Top-Manager-Gehälter zu
den höchsten der Welt, während die ärmsten 40 % sich
mit nur zehn Prozent des gesamten Volkseinkommens zufrieden geben
müssen.
Aber
auch die Unterschiede zwischen den Regionen Argentiniens sind groß.
So liegt etwa die Armutsrate in der Hauptstadt Buenos Aires mit
weniger als 25 % nur etwas mehr als halb so hoch wie im Landesdurchschnitt
(40 %), während sie in der Provinz Formosa bei etwa 65 % liegt.
Eine Durchschnittsfamilie benötigte Anfang 2005 etwa 773 $
um nicht unter der Armutslinie zu fallen. Generell kann man sagen,
dass die nördlichen Provinzen, besonders die Provinz Tucumán
und der Nordosten (Chaco, Formosa, Santiago del Estero) am stärksten
von Armut und Unterernährung betroffen sind. Verschärft
wird diese Situation durch das relativ schnelle Bevölkerungswachstum
in dieser Region. Als relativ reich dagegen gelten die zentralen
Provinzen (Buenos Aires, Santa Fe, Córdoba, San Luis und
Mendoza), aber auch der äußerste Süden (Santa Cruz
und Tierra del Fuego).
Es
sind neben den grenznahen Gegenden (beispielsweise Jujuy und Formosa)
allerdings vor allem die reichen Zentralprovinzen, die am stärksten
mit der städtischen Armut und damit mit der Slumbildung zu
kämpfen haben. Die Zuwanderung aus den ärmeren Nachbarländern
Peru, Bolivien und Paraguay sowie die Binnenwanderung aus abgelegenen
Gegenden des Landesinneren sind trotz einer Abschwächung in
den 1990er Jahren immer noch ein großes Problem in den Großstädten,
die die Zahl der Slumbewohner trotz ehrgeiziger sozialer Wohnungsprogramme
weiterhin anwachsen lässt. So liegt beispielsweise in Rosario
der Anteil der Slumbewohner an der Gesamtbevölkerung bei über
15 %. Zudem kam Zuwachs für die Slums auch von den so genannten
Neu-Armen, besonders in den wirtschaftlich kritischen Jahren 1989/1990,
1995 sowie zwischen 1998 und 2002.

In Buenos
Aires sind viele Menschen beim Betteln.
Foto: Armin Holp
Einige
Daten zur sozialen Situation: (Quelle: [2])
-
Bruttosozialprodukt pro Kopf: 11 427 AR$ (zu aktuellen Preisen,
2004); 10 500 US$ (Kaufkraftparität, 2002)
- Durchschnittslohn:
808 AR$ / 274 US$ (2002)
- Inflationsrate:
13,4 % (2003)
- Anstieg
der Konsumentenpreise seit Dezember 2001: 61,3 % (März 2005)
- Arbeitslosigkeit:
12,1 % (4. Quartal 2004)
- Arbeitslosigkeit
einschließlich Sozialhilfeempfänger: 19,5 %
- Unterbeschäftigung:
14,3 % (4. Quartal 2004)
- Armutsrate:
40,2 % (2. Halbjahr 2004) (Personen mit Einkommen unter ca. 200
$/Monat)
- Elendsrate:
15 % (2. Halbjahr 2004) (Personen mit Einkommen unter ca. 100
$ pro Monat)
- Analphabetenrate:
2,6 % (2001)
- HIV-Prävalenz:
0,7 %
- Zahl
der Kinder pro Frau: 2,1 (2001)
- Bevölkerungswachstum
durch Zuwanderung /Jahr: 0,06 % (2002)
- Bevölkerungswachstum
insgesamt /Jahr: 1,0 % (Durchschnitt 1991-2001)
- Anmerkung:
Bei der Armuts- und Elendsrate variieren die Einkommen, nach denen
sich die Rate richtet, je nach Region, daher wird nur ein ungefährer
Durchschnittswert angegeben
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