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Argentinien
- Politik
Nach der Verfassung von 1994 ist Argentinien eine föderalistische,
republikanische Präsidialdemokratie.

Der
Präsident ist das Oberhaupt des Staates und hat eine sehr starke
Stellung (unter anderem die Möglichkeit per Dekret zu regieren).
Er wird alle vier Jahre (früher: alle sechs Jahre) in zwei
Wahlgängen direkt gewählt, wobei der siegreiche Kandidat
45 oder mehr Prozent erreichen muss, um in der ersten Runde zu gewinnen,
beziehungsweise zehn Prozentpunkte Vorsprung vor dem Zweitplatzierten
haben muss. Dieselbe Person kann höchstens während zwei
aufeinander folgenden Perioden Präsident sein, kann aber nach
Ablauf von vier Jahren wieder für das Amt kandidieren.
Die
Legislative (Abgeordnetenkammer und Senat) wird in allen Provinzen
zu anderen Zeitpunkten nach Mehrheitswahlrecht gewählt. Die
Anzahl der Abgeordneten der Abgeordnetenkammer beläuft sich
auf einen Abgeordneten pro 33 000 Einwohner. Die Abgeordneten werden
für vier Jahre gewählt, allerdings jeweils die Hälfte
der Abgeordneten alle zwei Jahre. Die Anzahl der Senatoren beträgt
drei je Provinz und drei für die autonome Stadt Buenos Aires.
Es wird nach dem Mehrheitswahlrecht gewählt; zwei Senatorensitze
erhält die Partei mit den meisten Stimmen, einen Sitz die Partei
mit den zweitmeisten Stimmen. Die Senatoren werden für einen
Zeitraum von sechs Jahren gewählt, alle zwei Jahre wird ein
Drittel der Senatoren gewählt.
Wichtigste
Partei ist die aus der peronistischen Bewegung hervorgegangene PJ
(Partido Justicialista) (auf deutsch meist: peronistische Partei
genannt), dahinter folgen mit heute weitem Abstand UCR (Unión
Cívica Radical) und FrePaSo (Frente del País Solidario)
(Linkspartei) sowie die neueren Parteien ARI (sozialdemokratisch)
und Recrear (liberal-konservativ). Die bekanntesten Linksparteien
sind Izquierda Unida und der Partido Socialista. Das europäische
Rechts-Links-Schema lässt sich in Argentinien nicht anwenden,
da viele Parteien, besonders die dominierende peronistische Partei,
häufig ihre Ausrichtung ändern.
Seit
Ende der 90er Jahre finden die hauptsächlichen Debatten zwischen
den Flügeln des PJ statt, die ideologisch sehr verschieden
sind. Die Flügel werden meist mit dem Namen ihrer führenden
Persönlichkeit bezeichnet. Der momentan herrschende Kirchnerismus
ist sozialdemokratisch orientiert, während der in den 1990er
Jahren dominierende Menemismus neoliberal eingestellt war. Ein weiterer
wichtiger Flügel ist der in der Provinz Buenos Aires regierende,
bisher mit dem Kirchnerismus alliierte Duhaldismus. Allerdings nahm
der Kopf dieser Bewegung, Eduardo Duhalde öffentlich Carlos
Menem in Schutz, der sich einer Gerichtsvorladung entzieht und daher
polizeilich gesucht wird, was zu einem offenen Streit zwischen ihm
und Néstor Kirchner führte. Die beiden ehemals verbündeten
Flügel sind daher zurzeit verfeindet.
Seit
der Wirtschaftskrise ist die Debatte um eine politische Reform aufgekommen,
da das heutige System vor allem für die Wähler sehr undurchsichtig
ist und sowohl Personenkult als auch Korruption begünstigt.
So
werden beispielsweise die Wahlen zum Senat und dem Repräsentantenhaus
meist gemeinsam mit Bürgermeisterwahlen ausgetragen, was aufgrund
der so genannten Listas Sabanas zu Verzerrungen führt. Das
liegt an der Tatsache, dass in Argentinien keine Kreuze auf Stimmzettel
gemacht werden, sondern jede Partei ihren eigenen Stimmzettel (Lista
Sabana) hat und man seine Stimme durch die richtige Auswahl des
Stimmzettels abgibt. Man kann aber bei vielen gleichzeitigen Wahlen
die Stimmen aufteilen (eine Stimme für den Präsidenten,
eine für den Senator, eine Stimme für den Abgeordneten
der Repräsentantenkammer, etc.). In diesem Falle muss man,
wenn man Kandidaten verschiedener Parteien wählen möchte,
die Stimmzettel auseinander schneiden und nur die entsprechenden
Abschnitte in die Urne werfen. Dies machen aber wenige, was dann
eben bei Häufung von Wahlen am gleichen Tag zu Verzerrungen
führt. Listas Sabanas (deutsch etwa: Betttuch(große)-Listen)
heißen die Stimmzettel, weil sie oft sehr groß sind.
Die
jeweiligen Mehrheitsverhältnisse in der Legislative werden
zudem kaum publik gemacht, was auch daran liegt, dass die Zusammensetzung
sich jedes Jahr ändert.
Mitgliedschaften in Internationalen Organisationen und Gruppierungen
Argentinien ist in verschiedenen internationalen Organisationen
und Gruppierungen Mitglied. Zu den wichtigsten zählen die Mitgliedschaften
in den Vereinten Nationen und seinen Unter- und Sonderorganisationen,
im Internationalen Währungsfonds und in der Weltbank. Auf regionaler
Ebene sind die Mitgliedschaften in der Rio-Gruppe, die sich dem
Erhalt der Demokratie in Lateinamerika widmet sowie im Mercosur,
einer Zollunion in Südamerika, am bedeutsamsten.
Militär
und Verteidigung
Das argentinische Militär hat in der Geschichte des Landes
immer wieder eine wichtige oder dominierende Rolle gespielt. Besonders
in der Zeit zwischen 1955 (Putsch gegen Juan Perón) und 1973
(Rückkehr und 2. Präsidentschaft Peróns) und in
der Zeit zwischen 1974 (Tod Peróns) und 1983 (Niederlage
im Falklandkrieg und Redemokratisierung) war vom Militär direkt
oder indirekt geprägt. (Siehe auch: Geschichte Argentiniens)
Unter
den Präsidentschaften Raúl Alfonsíns (1983-1989)
und Carlos Menems (1989-1999) wurden die Militärs entscheidend
geschwächt und 1994 die Wehrpflicht abgeschafft. 1999 betrugen
die Ausgaben für die Verteidigung nur noch 62 % der Ausgaben
von 1983; im gleichen Zeitraum sind die Staatsausgaben allgemein
auf 152 % der Ausgaben von 1983 angestiegen (2004, Quelle: [6]).
Die argentinischen Streitkräfte haben heute eine Personalstärke
(Soldaten und Verwaltung) von insgesamt etwa 102.300 Personen (Heer:
50.900 Personen (41.400 Soldaten), Marine: 26.600 Personen (17.200
Soldaten), Luftwaffe: 23.600 Personen (13.200 Soldaten), Verteidigungsministerium
und Generalstab: 1.200 Personen). Der Anteil der Ausgaben für
die Verteidigung am Bundeshaushalt beträgt etwa 7 %. (Quellen:
[7] (2004), [8](1998))
Bildungswesen
In Argentinien herrscht Schulpflicht von neun Jahren. Es gibt neben
den staatlichen Schulen auch eine hohe Zahl von privaten Schulen.
Das Schulsystem ist in zwei Stufen eingeteilt: Primaria (Grundschule
= 6 Schuljahre) und Secundaria (weiterführende Schule).
1995
wurde das Schulsystem reformiert: die ersten neun Jahre der Esperanza Tourseit
werden seitdem als EGB (Educación General Básica)
bezeichnet, die in mehrere Richtungen aufgeteilte weiterführende
Schule stattdessen als Polimodal. Momentan koexistieren beide Schulabschlüsse
noch. Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Schulabschlüssen
(naturwissenschaftlich, sozialwissenschaftlich, technisch und wirtschaftlich
orientiert), einige sind berufsbefähigende Techniker-Titel.
Zum Besuch der Hochschulen berechtigen alle im Rahmen des Polimodal
erlangten Abschlüsse, auch wenn der Studiengang nicht mit der
Ausrichtung des Polimodals übereinstimmt.
In
der PISA-Studie schnitt Argentinien zwar verglichen mit anderen
lateinamerikanischen Staaten bei weitem am besten ab, dies kann
jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ein starkes
Gefälle in der Qualität der Schulbildung zwischen Großstädten
und ländlichen Regionen einerseits und zwischen Privatschulen
und vielen staatlichen Schulen anderseits gibt. Durch kontinuierliche
interne Qualitäts-Tests seit Ende der 1990er Jahre versucht
die Politik, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Bei diesen
Tests kam eine Bandbreite von 30% bis 80% der möglichen Punktzahl
heraus, wobei die schlechtesten Ergebnisse von Schulen in ländlichen
Gegenden, die besten dagegen in den Privatschulen der Großstädte
sowie in den so genannten Colegios Universitarios (von Universitäten
abhängige Staatsschulen) erzielt wurden.
Argentinien
hat eine Vielzahl von staatlichen und privaten Universitäten.
Die älteste Universität ist die Universität von Córdoba,
die 1613 gegründet wurde. Die größte Universität
ist dagegen die Universität von Buenos Aires (UBA), die 1821
gegründet wurde und etwa 200.000 Studenten hat.
Laut
der Volkszählung des Jahres 2001 sind etwa 2,6 % der Bevölkerung
Analphabeten (Quelle: [9]),
in Deutschland liegt dieser Wert offiziell bei etwa 0,6 %.
Von
allen Argentiniern, die über 20 Jahre alt sind, haben 88 %
die Schule besucht. Etwa 14 % haben die Primaria nicht abgeschlossen,
circa 29 % haben eine abgeschlossene Primaria, ungefähr 14
% haben die Secundaria nicht abgeschlossen, etwa 16 % haben eine
abgeschlossene Secundaria, circa fünf Prozent einen höheren
nicht-universitären Abschluss und etwa fünf Prozent einen
Universitätsabschluss. Das heißt etwa 73 % der Bevölkerung
haben mindestens die Primaria abgeschlossen, circa 30 % mindestens
die Secundaria und nur etwa zehn Prozent haben einen weiterführenden
Abschluss. (Quelle: [10])
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