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Argentinien
- Wirtschaft
Argentinien ist eine gelenkte Volkswirtschaft, die in den letzten
Jahren zunehmend dereguliert und privatisiert wurde.
Geschichte
der Wirtschaftspolitik
Die argentinische Wirtschaft ist traditionell durch die Landwirtschaft
geprägt. Bis in die 1950er Jahre wurden fast ausschließlich
Agrargüter exportiert. Erst danach setze eine Industrialisierung
nennenswerten Umfanges ein. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde
jedoch von den verschiedenen Regierungen nach unterschiedlichen,
teilweise widersprüchlichen Vorgaben reglementiert. Es entstand,
vor allem unter dem Einfluss des Peronismus, ein breiter staatlich
kontrollierter Sektor in Industrie, Handel und Dienstleistung. Korruption
war und ist ein diesen Sektor durchziehendes Übel. Dennoch
hat Argentinien das Wohlstandsniveau der 50er Jahre nie wieder erreicht.
1976
leitete die Militärdiktatur eine drastische Kehrtwende hin
zum Neoliberalismus ein. Dies fügte vor allem der heimischen
Industrie einen starken Schaden zu, während die Spekulation
ausartete und die damalige Währung, der Peso Ley, mehrmals
abgewertet werden musste. Es waren vor allem die wirtschaftlichen
Probleme, die die Militärregierung auf die Idee brachte, den
Falklandkrieg zu starten.
Nach
der Rückkehr zur Demokratie 1983 erwies sich die Hyperinflation
als eines der größten wirtschaftlichen Probleme des Landes.
Der 1989 gewählte Präsident Carlos Menem führte daraufhin
die 1:1-Bindung des Argentinischen Peso an den US-Dollar ein. Dies
führte fast schlagartig zu einem Ende der Inflation und zu
einem deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Auf längere Sicht
hatte sie aber zur Folge, dass argentinische Produkte auf dem Weltmarkt
teurer und Importware im Inland billiger wurden. Zahlreiche argentinische
Produktionsbetriebe mussten schließen. Es kam zu einem schnell
zunehmenden Ungleichgewicht zwischen dem (offiziellen) Wechselkurs
der Währung und ihrer inneren Werthaltigkeit. Kapitalflucht
setzte ein und das ohnehin hoch verschuldete Land musste immer neue
Kredite im Ausland aufnehmen, um alte Verbindlichkeiten bezahlen
zu können und Devisen für dringende Importe bereitstellen
zu können. Gelegentlich wurden sogar Staatbedienstete nicht
mehr mit Geld, sondern mit Schuldverschreibungen bezahlt und Geschäftsleute
wurden gesetzlich verpflichtet, derartige Papiere an Zahlung statt
anzunehmen. Anfangs wurde dies noch durch private Kapitalzuflüsse
ausländischer Investoren überlagert, die sich in argentinische
Unternehmen, besonders im Zuge der von Carlos Menem eingeleiteten
Privatisierung von Staatsbetrieben, einkauften. Doch schließlich
hatte die Verschuldung soweit zugenommen und die Wirtschaftsleistung
soweit abgenommen, dass Ende 2001 nach schweren Unruhen der Präsident
Fernando de la Rúa zurücktrat. Die folgende Regierung
gab die Einstellung der Zahlungen auf Tilgung und Zinsen, also den
Staatsbankrott, bekannt. Wegen fehlender Unterstützung der
Partei trat der übergangsweise angetretene Präsident Adolfo
Rodríguez Saá schon nach fünf Tagen wieder zurück,
es folgte der Peronist Eduardo Duhalde.
Der
IWF versorgte nach einer langen Verhandlung Mitte 2002, mit politischer
Unterstützung der wichtigsten Industrienationen, Argentinien
im Rahmen verschiedener Interimsabkommen mit frischem Geld. Damit
konnte die argentinische Wirtschaft, vor allem weil nun Mittelabflüsse
durch Kreditrückzahlungen nicht mehr stattfanden und wegen
des nun deutlich billigeren Peso (3,5 bis 4 Argentinische Peso je
US-Dollar), bereits im Jahr 2003 ein beachtliches Wachstum verzeichnen.
Allerdings wurde im März 2004 die Rückzahlung einer Rate
von 3,1 Mrd. US-Dollar (etwa 2,5 Mrd. Euro) für einen im Rahmen
der o.a. Interimsabkommen gewährten IWF-Kredite fällig.
Erst unmittelbar vor dem letztmöglichen Termin wurde die Zahlung
angewiesen. Vorausgegangen war ein mehrwöchiger Verhandlungspoker.
Die argentinische Regierung wollte dabei erreichen, dass ein Bericht
des IWF über die Bemühungen des Landes im Hinblick auf
die Wiedergewinnung wirtschaftlicher Solidität, möglichst
positiv ausfällt. Die galt als Voraussetzung für eine
weitere Kreditgewährung durch den IWF. Dies hat die Regierung
anscheinend geschafft, so dass nun gute Chancen bestehen, dass die
nun zurückgezahlten Milliarden schon bald im Rahmen eines neuen
Kreditabkommens an Argentinien zurückfließen. Über
die Behandlung der Forderungen von privaten Gläubigern Argentiniens
wurde bislang aber noch keine Einigung erzielt. Dies belastet weiterhin
die Handelsbeziehungen des Landes.
Es
ist umstritten, ob Argentinien die Voraussetzungen des IWF für
die weitere Vergabe von Kredite erfüllt. Die Auflage, in "guten
Glauben" mit den privaten Gläubigern zu verhandeln, ist
durch die argentinische Regierung nie erfüllt worden. Statt
dessen fordert Argentinien einen Kapitalschnitt, der auf 75% Barwertverlust
hinausläuft. Es laufen Klagen gegen Argentinien und den IWF
vor dem Bundesverfassungsgericht mit dem Ziel der vollständigen
Rückzahlung des geliehenen Geldes. Eine deutsche Gläubigerorganisation
ist die Interessengemeinschaft Argentinien e.V..
Anfang
2005 hat die Regierung Verhandlungen mit den Inhabern argentinischer
Staatspapiere zur Annahme eines Umschuldungsplanes aufgenommen.
Dieser Plan beinhaltet neben einem erheblichen Kapitalschnitt die
zeitliche Streckung der Verbindlichkeiten sowie eine Reduzierung
des Zinses. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt (29. Januar 2004)
wurde bzw. wird ausschließlich mit privaten Gläubigern
bzw. ihren Interessenvertretungen verhandelt. Hierbei war bislang
bei inländischen Gläubigern eine deutliche Bereitschaft,
das Umschuldungsangebot zu akzeptieren, erkennbar. Bei ausländischen
Gläubigern stoßen die Vorschläge jedoch noch auf
harten Widerstand. Um dem IWF gegenüber zu dokumentieren, dass
die Umschuldung gelungen ist, wird ein Zustimmungsquote von mehr
als 2/3 des notleidenden Kapitals vorausgesetzt. Dies wird mit den
gegenwärtigen Verhandlungen nicht erreichbar sein. Sie gelten
jedoch als ein wichtiger Test, bevor im März die Verhandlungen
mit den institutionellen Gläubigern aufgenommen werden, in
deren Händen sich die größeren Teile des im Default
befindlichen Bondkapitals befinden.
Bruttoinlandsprodukt
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug im Jahr 2003 376,2 Milliarden
Arg$, dies entsprach etwa 103 Milliarden Euro. Davon entfielen etwa
43% auf die Produktion von Waren und etwa 51% auf die Erbringung
von Dienstleistungen. Den größten Anteil am BIP hatten
dabei die produzierende Industrie mit 22%, die Landwirtschaft mit
10%, der Groß- und Einzelhandel mit 11% sowie die Vermietung
von Gebäuden und Grundstücken mit ebenfalls 11%. (Quelle:
[11])
| Bruttoinlandsprodukt 1995-2003
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Jahr |
1995 |
1996 |
1997 |
1998 |
1999 |
2000 |
2001 |
2002 |
2003 |
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Bruttoinlandsprodukt (KKK) Mrd. Dollar 360,90 388,21 427,88 449,82
440,85 446,56 436,96 393,79 421,57
Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen Mrd. Dollar 258,03 272,15 292,86
298,95 283,52 284,20 268,70 92,95 129,74
Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen Mrd. arg. Peso 258,03 272,15
292,86 298,95 283,52 284,20 268,70 312,58 376,23
Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen Dollar 7421,10 7727,13
8210,14 8276,53 7750,77 7674,96 7184,41 2456,31 3389,11
Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt zu konstanten Preisen arg. Peso 6994,28
7286,45 7778,14 7976,84 7609,87 7458,08 7058,74 6216,58 6681,05
Quelle:
World Economic Outlook Database, IMF, April 2004: [12]
Staatsverschuldung
Während der 1990er Jahren galt Argentinien als ein positives
Beispiel für finanzielle Stabilität und erfolgreiche Marktreformen.
Dies änderte sich mit der Argentinien-Krise und der Interimspräsident
Adolfo Rodríguez Saá erklärte den Default (Staatsbankrott).
Im Jahre 2002 betrug die Staatsverschuldung Argentiniens 142 Mrd.
US-Dollar (Quelle: CIA Factbook 2004: [13]).
Seit
1985 gehört Argentinien ununterbrochen zu den Top-5-Kreditnehmern
des Internationalen Währungsfonds (Quelle: [14],
S.5)
Inflationsrate
Argentinien war in der 1980er Jahren bekannt als ein Land mit einer
sehr hohen Inflationsrate. Diese verstärkte sich ab Beginn
der Redemokratisierung 1983 zunehmend zu einer Hyperinflation, deren
Höhepunkt 1989 erreicht wurde. Im gleichen Jahr wurde unter
der Regierung von Carlos Menem und seinem Wirtschaftsminister Domingo
Cavallo die 1:1-Bindung des argentinischen Peso an den US-Dollar
beschlossen. Diese Maßnahme konnte die Inflationsrate in der
Folge relativ rasch auf "normale" Werte drücken.
Im Zeitraum zwischen 1994 und 1998 gab es keine nennenswerte Inflationsrate.
Ab 1999 drehte die beginnende Wirtschaftskrise die Inflationsrate
sogar in den deflationären Bereich. Mit der Argentinien-Krise,
die um den Jahreswechsel 2001/2002 ihren Höhepunkt erreichte
und mit der Erklärung des Default und einer Abwertung gegenüber
dem Dollar verbunden war, stieg die Inflationsrate zunächst
stark an, sank aber zwischenzeitlich wieder auf erträgliche
Werte. Das Hauptproblem ist jedoch, dass das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt
zu konstanten Preisen zwischen 1998 bis 2002 stetig sank und 2004
erst wieder das Niveau von 1992 erreichte. Weitere Probleme sind
u.a. die hohe Arbeitslosigkeit und die stark gesunkene Kaufkraft.
Inflationsrate 1980-2004
Jahr 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989
Inflationsrate (in %) 100,8 104,5 164,8 343,8 626,7 672,2 90,1 131,3
343 3079,5
Jahr 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999
Inflationsrate (in %) 2314 171,7 24,9 10,6 4,2 3,4 0,2 0,5 0,9 -1,2
Jahr 2000 2001 2002 2003 2004
Inflationsrate (in %) -0,9 -1,1 25,9 13,4 6,7
Quelle:
World Economic Outlook Database, IMF, April 2004: [15]
(Daten erst ab 1980 verfügbar)
Außenhandel
Der Außenhandel war in den vergangenen Jahren stark von der
Argentinien-Krise geprägt. Die Importe gingen seit 1999 zurück.
Im Jahresvergleich 2001/2002 hatten sie einen unglaublichen Rückgang
von 56% und konnte sich erst 2003 wieder erholen. Die Exporte blieben
von der Argentinien-Krise nahezu unberührt.
Die
Exporte sind von landwirtschaftlichen Produkten dominiert. 31% aller
Exporte sind weiterverarbeitete, landwirtschaftliche Produkte, 25%
sind Rohstoffe (wobei hierzu auch landwirtschaftliche Produkte zählen),
25% sind industrielle Produkte und 18% sind Mineralöle und
andere Energieträger.
Wichtigste
Handelspartner sind an erster Stelle die lateinamerikanischen Länder,
speziell die Mercosur-Staaten, dann die Europäische Union und
gefolgt von den USA.
Außenhandel im Zeitraum 1999-2003 in Millionen
US$
Jahr Exporte Importe Wachstumsrate Handelsbilanz
Exporte % Importe %
1999 23.310 25.508 -2.198
2000 26.339 25.364 13% -1% 975
2001 26.541 20.478 1% -19% 6.063
2002 25.649 9.004 -3% -56% 16.645
2003 29.565 13.755 15% 52% 15.810
(Quelle: [16]
)

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