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Panama
- Kanal
Der
Panamakanal durchschneidet die Landenge von Panama und verbindet
den Atlantik mit dem Pazifik.
Technik
Vor
dem Bau des Kanals war die schnellste Seeverbindung von der Ostküste
zur Westküste Amerikas die 26.000 km lange und gefährliche
Umschiffung des Kap Hoorns. Durch den Kanal wurde die Seestrecke
New York - San Francisco auf ca. 10.000 km verkürzt.
Der
Kanal ist 81,6 km lang. Mit drei Schleusenanlagen wird ein Höhenunterschied
von 26 m relativ zum Meeresspiegel überwunden. Der Pazifik
ist im Bereich des Kanals aber nur 24 cm höher als der Atlantik.
Der Niveauunterschied von 26 m kommt durch die Höherlage des
Festlandes zustande, die bei der Überquerung des Kontinents
überwunden werden muss. Die Durchfahrtszeit beträgt mit
Lotsen rund 8-10 Stunden. Eine zügige und sichere Durchfahrt
durch die Schleusenanlagen wird durch beidseitig angebrachte Zahnradbahnen
(Treidelloks) gewährleistet. Die Schiffe werden von jeweils
drei Zahnradlokomotiven ("Mulis" genannt), rechts und
links des Kanals, durch die Schleusen geschleppt bzw. gegen die
Strömungen in der Schleusenkammer beim Wasserein- und -auslass
stabilisiert. Die Konstruktion dieser Zahnradbahn erfolgte durch
den schweizer Ingenieur Nikolaus Riggenbach, der Zahnstangen im
System Riggenbach verwendete. Der Kanal ist nur für Schiffe
mit einem maximalen Tiefgang von 12 m passierbar. Für rund
60% aller Handelsschiffe ist er somit unpassierbar. Umgekehrt gibt
es zahlreiche Containerschiffe, die extra so konstruiert wurden,
dass sie hinsichtlich Länge, Breite und Tiefgang gerade noch
durch den Kanal oder genauer seine Schleusen passen; diese Schiffsklasse
wird Panamax genannt. Der Aus- oder Neubau der Schleusen wird seit
einigen Jahren diskutiert. Die USA behielten die Hoheit über
den Kanal und einen Landstreifen entlang des Kanals (Kanalzone).
1977 beschloss US Präsident Jimmy Carter, den Kanal bis zum
Jahr 2000 an Panama zurückzugeben, was auch geschah. Eine geographische
Besonderheit des Panamakanals ist, dass die Einfahrt von Westen
des amerikanischen Kontinents her, also vom Pazifik kommend, weiter
im Osten liegt als die Einfahrt von der Ostseite Amerikas her.
Vorgeschichte
1513 überquerte - auf der Flucht vor dem Galgen und auf der
Suche nach dem sagenumwobenen Perlen- und Goldland im Westen Südamerikas
- der spanische Vasco Nunez de Balboa mit einer Gruppe von Anhängern
und Booten die Landenge. Die Idee einer Verbindung zwischen Atlantik
und Pazifik durch einen Kanal in Darien (Mittelamerika) wurde 1523
von Kaiser Karl V. angeregt. Das erste Projekt wurde 1529 von dem
Spanier Alvarado de Saavedra Colon ausgearbeitet. In den folgenden
Jahrhunderten beschäftigte sich eine Reihe von Politikern und
Wissenschaftlern mit der Frage eines Kanalbaus. Anfang des 19. Jahrhunderts
galt das insbesondere für Friedrich Heinrich Alexander von
Humboldt, der von 1799 bis 1804 Lateinamerika erforschte. Nach Goldfunden
in Kalifornien wurde 1848 eine Lizenz für eine Eisenbahnverbindung
vergeben. 1849 - 1853 nutzten Goldgräber auch eine Fluss-Land-Route
durch das Isthmusgebiet von Panama.
Nach
dem finanziellen Erfolg des Sueskanals (1869 eröffnet) in Ägypten
glaubte man in Frankreich, dass ein Kanal, der Atlantik und Pazifik
miteinander verbindet, ebenso einfach zu bauen wäre. Diese
Gedanken nahmen Gestalt an, als 1876 in Paris die Société
Civile Internationale du Canal Interocéanique geschaffen
wurde, der 1879 durch französisches Gesetz die Panama-Kanal-Gesellschaft
folgte, zu deren Präsidenten Graf Ferdinand de Lesseps, der
Erbauer des Sueskanals, ernannt wurde. Die Panamakanal-Gesellschaft
übernahm eine 1878 von der Société Civile Internationale
du Canal Interocéanique erworbene Konzession der kolumbianischen
Regierung, die sogenannte Wyse-Konzession, und begann 1881 mit den
Arbeiten, die bis 1889 andauerten.
Gebaut
werden sollte ein schleusenloser Kanal über den Isthmus von
Panama mit einer Länge von 73 Kilometern. Der Aushub sollte
120 Millionen Kubikmeter nicht übersteigen. Eine Aktiengesellschaft,
die Compagnie Universelle du Canal Interocéanique wurde zur
Finanzierung gegründet und versprach genauso hohe Rentabilität
wie die Sueskanal-Aktien. Allerdings hatte Graf Ferdinand de Lesseps
1838 die Pläne des Sueskanals von A. Negrelli käuflich
erworben. In der Bauzeit von 1881 bis 1889 starben bei dem Bau 22.000
Arbeiter (7,5 Menschenleben pro Tag) in der Sumpflandschaft an Gelbfieber
und Malaria. Auf Anraten französischer Ärzte wurde 1883
beim Bau des Kanals angeordnet, zum Schutz vor Malaria die Pfosten
der Betten der Arbeiter in Wassereimer zu stellen.
Die
Eimer wurden allerdings zu Brutstätten der Malaria-Mücken,
die Krankheit breitete sich rasend schnell aus, der Bau musste nicht
zuletzt auch deshalb abgebrochen werden. Rund um die Baustelle standen
Kreuze; Leichen wurden in Essigfässern nach Europa verkauft,
um nicht noch mehr Kreuze aufstellen zu müssen. 287 Millionen
US-Dollar wurden investiert. 1887 revidierte Ferdinand de Lesseps
unter dem Druck der schlechten Finanzlage die Pläne und schloss
mit dem Ingenieur Gustave Eiffel einen Vertrag ab, um einen Schleusenkanal
bis 1890 herzustellen. Die Kosten für den Schleusenkanal wurden
auf 1,6 Milliarden Goldfranken geschätzt. Wegen Planungsmängeln,
falschen geologischen Untersuchungen, schlechter Organisation, Bestechung,
unzähligen technischen Schwierigkeiten und Pannen gaben die
Franzosen schließlich aus finanziellen und politischen Überlegungen
auf und stellten die Arbeiten 1889 ein. Das ehrgeizige Projekt endete
in einem Desaster. Es war etwas völlig anderes, einen Kanal
durch eine trockene, flache Wüste zu bauen als quer durch den
Dschungel.
Die Arbeiten
mußten auch eingestellt werden, weil es nicht gelang eine neue
Trägergesellschaft zu konstituieren, und da die alte Panamakanal-Gesellschaft
mit Sitz in Paris im Februar 1888 bankrott gegangen war und zum größten
Finanzskandal des 19. Jahrhunderts in Frankreich beitrug. (Siehe auch:
Panamaskandal)
1894
unternahm eine Liquidationsorganisation die Fortführung der
theoretischen Arbeiten und verkaufte 1902 den Gesamtkomplex für
40 Millionen US-Dollar an die USA, die etwa 40 Prozent der bis dahin
geleisteten praktischen Arbeiten verwenden konnten. Die USA hatten
sich bereits vorher mit verschiedenen Projekten einer Kanaltraversierung
Mittelamerikas beschäftigt, waren jedoch bis dahin zu keinem
praktikablen Ergebnis gelangt. Die Planungen des Panama-Kanals konkurrierten
mit Planungen zum Nicaragua-Kanal. Dieser wurde jedoch nicht realisiert.
Nach dem Ankauf der Wyse-Konzession traten die USA in Verhandlungen
mit der kolumbianischen Regierung ein, die im Januar 1903 zur Unterzeichnung
eines Vertrages führten, welcher jedoch in der Folge von Kolumbien
nicht ratifiziert wurde, da dieses die Forderungen der USA nicht
genehmigen wollte.
Im
November 1903 spaltete sich Panama im Wege einer von den USA geförderten
unblutigen Revolution unter dem französischen Ingenieur Philippe
Bunau Varilla von Kolumbien ab und erklärte sich als selbständig.
Die US-Regierung glaubte, so schneller den Bau des aus strategischen
Gründen für absolut notwendig erachteten Kanals zu erreichen,
und die nur deshalb Erfolg hatte, weil US-Kriegsschiffe Kolumbien
daran hinderten, den Aufstand zu unterdrücken. Im Dezember
1903 vereinbarte Kolumbien mit den USA einen Staatsvertrag über
die Nutzung einer Kanalzone in der Breite von 10 Meilen (16 Kilometern),
jeweils 5 Meilen beiderseits der Kanaltrasse, ihre Besetzung und
ihre unbeschränkte Kontrolle zu. Der sogenannte Hay-Bunau Varilla
Treaty, ratifiziert am 16. Februar 1904 und auf unbestimmte Zeit
gültig. Die USA kontrollierten damit eine Kanalzone in einer
Größe von 84.000 Hektar. Die USA mußten aber die
territorial Souveränität Panamas zusichern. Der Vertrag
sah zudem die sofortige Zahlung von 10 Millionen US-Dollar vor,
sowie eine ab 1913 beginnende jährliche Zahlung von 250.000
US-Dollar in Gold.
1906
begannen die USA unter der Leitung des Ingenieurs Generalmajor George
W. Goethals die Bauarbeiten an dem Kanal, das besonders von US-Präsident
Theodore Roosevelt unterstützt wurde. Die Kosten des nun mit
Schleusen und Stauseen erbauten Panama-Kanals beliefen sich auf
386 Millionen US-Dollar und während der Bauarbeiten von 1906
bis 1914 starben 25.000 Arbeiter an Unfällen und Krankheiten.
Am
14. August 1914 erfolgte die erste Durchfahrt durch den heutigen
Panamakanal. Die offizielle Eröffnung fand erst 1920 statt.
1935
und 1936 erfolgten die ersten Revisionen, die u.a. eine Erhöhung
der jährlichen Zahlungen der USA an Panama auf 430.000 US-Dollar,
die Gewährung eines Land-Korridors durch die Kanalzone an Panama
vorsahen und den USA das Interventionsrecht absprachen.
1955
erfolgte eine weitere Revision, in der die Jahrespacht auf 1.930.000
US-Dollar erhöht wurde. Zudem gab es eine Erhöhung der
Löhne der panamesischen Arbeiter der Panamakanalverwaltung.
Panama erhielt auch das Recht, die in der Kanalzone tätigen
Arbeiter, mit Ausnahme der US-Bürger, zu besteuern.
1960
gab US-Präsident Dwight D. Eisenhower auf Grund von Beschwerden
der Regierung von Panama ein 9-Punkte-Programm bekannt, das insbesondere
verbesserte Arbeits- und Wohnbedingungen in der Kanalzone und den
Bau einer Wasserleitung zur Versorgung der Hauptstadt Panama City
vorsah.
Am
17. September 1960 gab US-Präsident Eisenhower bekannt, dass
ab sofort die Flagge Panamas gemeinsam mit der der USA in der Kanalzone
als Ausdruck der nominellen Souveränität Panamas über
dieses Gebiet gehißt werden solle. Die erste Hissung der panamesischen
Flagge fand am 21. September 1960 auf dem Shaler Triangle statt.
Der
Bau
Der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt war der
Ansicht, dass die USA in der Lage wären, den Bau zu vollenden.
Die USA kaufte 1901 den zu 1/6 fertig gestellten Kanal für
40 Millionen US-Dollar. Der erste Erfolg bestand darin, dass sie
Panama von Kolumbien abspalten konnten. Die USA zettelte eine Revolution
an und ließ Panama die Unabhängigkeit ausrufen. Weiter
bekämpfte eineinhalb Jahre lang der Armeearzt Colonel William
C. Gorgas mit Hilfe seines Teams und 120 Tonnen Insektiziden die
Heerscharen von Moskitos. Am 15. August 1914 wurde der Panamakanal
eröffnet. Er war das bis dahin größte und teuerste
Bauwerk überhaupt.
Pläne
zur Ersetzung des Panama-Kanals durch einen anderen Mittelamerika-Kanal
Im
Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um den Panama-Kanal, siehe
unter Flaggenstreit zwischen den USA und Panama 1964, wurden erneut
Pläne diskutiert, Mittelamerika an anderer Stelle zu durchstechen.
da einem Ausbau des Panama-Kanals Grenzen gesetzt waren, seine Verkehrskapazität
Ende der 1960er Jahre erschöpft war. Erwogen wurden Durchstiche
in Mexiko, Nicaragua/Costa Rica, Panama und Kolumbien. In allen
Fällen sollte der neu zu bauende Kanal ohne Schleusen angelegt
werden, da der Niveau-Unterschied zwischen Pazifik und Atlantik
minimal ist, dass ein solcher Kanal technisch möglich war.
Alle
unten kurz aufgeführten Projekte würden eine Bauzeit von
5 bis 10 Jahren betragen und mehrere Milliarden US-Dollar an Baukosten
verschlingen.
Mexiko
Die Mexiko-Planung sah einen Durchstich von der Mündung
des Flusses Coatzacoalcos am Atlantik entlang des Flusses zum Golf
von Tehuantepec vor. Bei konventionellen Arbeitsmethoden sollte
der Kanal 165 Meilen (266 Kilometer) lang sein. Zum Vergleich der
Panama-Kanal hat eine Länge von 51 Meilen (82 Kilometer). Die
USA erwägten zudem auch die Sprengung mit Hilfe von Nuklearladungen,
die dann eine Länge von 150 Meilen (241 Kilometer) ergeben
hätte.
Nicaragua/
Costa Rica
Der Durchstich durch Nicaragua war parallel zur Grenze mit Costa
Rica projektiert und sollte den südlichen Teil des Sees von
Nicaragua durchschneiden, die konventionelle Trasse hätte 168
Meilen (270 Kilometer) und eine Trasse mit Hilfe von Nuklearsprengungen
hätte 140 Meilen (225 Kilometer) betragen. Der Kanal hätte
aber die Grenze mit Costa Rica geschnitten und würde den Pazifik
auch auf dem Gebiet von Costa Rica erreichen. Weitere ausführliche
Informationen hierzu unter: Nicaragua-Kanal.
Panama
Für Panama gab es zwei mögliche neue Kanalrouten, die
ausgemesssen wurden.
- Ein
Kanal vom Golf von San Blas am Atlantik mit einer Länge von
40 Meilen (64 Kilometer),
- Eine
Kanalroute vom Atlantik zur Bucht von San Miguel auf der sogenannten
Sasardi-Morti-Trasse mit einer Länge von 60 Meilen (97 Kilometer).
Kolumbien
Das Kanal-Projekt in Kolumbien sah einen Durchstich unter Nutzung
des Flussbettes des Atrato und des Truando vor und sollte eine Länge
von 95 Meilen (153 Kilometer) haben.
Literatur
A. und H. Säuberlich: Achterbahn in Panama. Treidelloks an
der Zahnstange. In: LOK MAGAZIN. Nr. 252/Jahrgang 41/2002. GeraNova
Zeitschriftenverlag GmbH München, ISSN 0458-1822, S. 64-65.
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