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Paraguay
- Geschichte
Spanische Kolonialzeit (15. bis 18. Jahrhundert)
1537
gründen Spanier am Río Paraguay (bedeutet auf Guaraní
Papageienfluss) die Stadt Nuestra Señora Santa María
de la Asunción, die heutige Hauptstadt Paraguays. Jesuiten
beginnen im Auftrag der spanischen Krone mit der Christianisierung
der Guaraní-Indianer.
1543
wird das Gebiet des heutigen Paraguay dem spanischen Vizekönigreich
Perú angegliedert. Gouverneur der Kolonie wird Domingo Martínez
de Irala, der die Verschmelzung zwischen spanischen Einwanderern
und den Guaraní fördert. Er selbst geht mit "gutem
Beispiel" voran, nimmt sich 70 Guaraní-Frauen, mit denen
er unzählige Kinder in die Welt setzt. Die aus diesen Verbindungen
hervorgehenden Mestizen zählen sich selbst zur weißen
Oberschicht und unterdrücken die Guaraní zunehmend.
1604
wird die erste von später rund 30 "Jesuitenreduktionen"
gegründet. Dies sind Dorfgemeinschaften für bis zu 10.000
Guaraní, zu denen Mestizen und weiße Siedler keinen
Zugang haben. Offiziell untersteht dieser "Jesuitenstaat"
zwar der spanischen Oberherrschaft, besitzt jedoch eine eigene Verwaltung
und ist nach außen hermetisch abgeriegelt. Die Guaranì
sind ein fleißiges Bauernvolk, das das Land kennt, und so
produzieren sie bald große landwirtschaftliche Überschüsse.
Dieser Erfolg ist den spanischen Kolonialherren ein Dorn im Auge,
die deshalb nichts gegen Übergriffe von Sklavenjägern
unternehmen. Die Konflikte zwischen Jesuiten und Kolonisten spitzen
sich immer mehr zu, bis 1767 die Reduktionen geschlossen und die
Jesuiten auf Befehl des spanischen Königs aus Mittel- und Südamerika
vetrieben werden.
1776
wird Paraguay dem neu gegründeten spanischen Vizekönigreich
des Río de la Plata (mit dem heutigen Argentinien und Bolivien)
angegliedert.
Verheerende Kriege (1800 bis 1950)
Im
Zuge der lateinamerikanischen Unabhängigkeitsbewegungen erklärt
auch Paraguay am 14. Mai 1811 seine Unabhängigkeit von Spanien
und Argentinien. Diese wird am 25. August 1813 durch Spanien anerkannt.
Ein aus allgemeinen Wahlen hervorgegangener Kongreß ruft die
Republik aus (República del Paraguay). An die Regierungsspitze
kommen José Gaspar Rodríguez de Francia und Fulgencio
Yegros.
1814
wird die Regierungsform in eine Präsidialrepublik umgewandelt,
und Gaspar Rodríguez de Francia übernimmt die alleinige
Macht in Paraguay. Zur Bildung einer "Einheitsrasse" erläßt
er ein Gesetz, das den weißen Siedlern eine Heirat mit einer/einem
Guaraní vorschreibt. Obwohl er das Land bis zu seinem Tode
im Jahre 1840 mit eiserner Faust regiert und die Grenzen zu den
Nachbarländern schließt, erreicht Paraguay in den nächsten
drei Jahrzehnten einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung (überwiegend
Agrarwirtschaft).
1844
übernimmt Carlos Antonio López, ein Neffe von Ex-Diktator
Francia, die Macht in Paraguay. Er baut eine schlagkräftige
Armee auf und öffnet die Grenzen zu den Nachbarländern.
Dies führt zu einem weiteren Wirtschaftswachstum des Landes.
Nach seinem Tod 1862 übernimmt sein Sohn Francisco Solano López
die Macht in Paraguay. Einwanderungen werden gefördert, Paraguay
wird zu einem der wirtschaftlich erfolgreichsten und stärksten
Länder Lateinamerikas.
Grenzstreitigkeiten
und das Bestreben Paraguays nach einem eigenen Zugang zum Meer verschlechtern
die Beziehungen zu den Nachbarn. Nachdem 1864 mit Hilfe Brasiliens
die befreundete Regierung Uruguays gestürzt wird, nimmt Solano
López dies zum Anlass, Brasilien den Krieg zu erklären.
Kriegsziel ist die Eroberung der südlichen brasilianischen
Provinzen. Von Argentinien fordert er Durchmarschrechte, die ihm
verweigert werden; stattdessen schließen sich Brasilien, Argentinien
und Uruguay zur "Tripel-Allianz" gegen Paraguay zusammen.
Zu Kriegsbeginn ist die Armee Paraguays den Kriegsgegnern zahlenmäßig
überlegen; nach anfänglichen Erfolgen wendet sich aber
das Blatt.
Eine
Cholera-Epidemie schwächt Paraguay zusätzlich. Bis 1867
sind nahezu alle kampffähigen Männer gefallen oder Krankheiten
erlegen; als die Allianztruppen die paraguayanische Hauptstadt Asunción
erreichen, besteht die Verteidigungstruppe hauptsächlich aus
Frauen, alten Männern und Halbwüchsigen.
1870
fällt Diktator Francisco Solano López am Río
Aquidalán, womit der seit 1864 dauernde, ungemein blutige
und verlustreiche Tripel-Allianz-Krieg beendet ist. Nach sechs Jahren
Krieg gegen Brasilien, Argentinien und Uruguay hat Paraguay rund
drei Viertel seiner Bevölkerung verloren; nach verschiedenen
Angaben haben von insgesamt rund 1,4 Millionen Menschen nur etwa
220.000 Frauen und Kinder sowie etwa 10.000 Männer überlebt.
Das Land ist verwüstet, die einst blühende Wirtschaft
vollständig ruiniert. Annähernd die Hälfte des früheren
Staatsgebiets fällt an Brasilien und Argentinien.
Obwohl
nach dem Friedensschluss eine liberale Verfassung verabschiedet
wird, bleibt die politische Lage instabil. Wechselnde Diktaturen
und häufige Staatsstreiche sowie teilweise bürgerkriegsähnliche
Unruhen zwischen den konservativen "Colorados" (Rote)
und den liberalen "Azules" (Blaue) verhindern einen effektiven
Wiederaufbau des Landes. Dennoch kommt es gegen Ende des 19. Jahrhunderts
wieder zu verstärkter Einwanderung insbesonderer deutschstämmiger
Siedler.
Am
15. August 1912 wird Eduardo Schaerer Staats- und Regierungschef
Paraguays (bis 1916). Ihm gelingt es, die innenpolitische Lage zu
stabilisieren und den Aufbau der brachliegenden Wirtschaft einzuleiten.
In
den 20er Jahren wandern Mennoniten aus Russland, Kanada und Mexiko
ein und gründen vor allem im unwirtlichen Gran Chaco erfolgreiche
Kolonien. Im so genannten Chacokrieg (1932 - 1935) gegen Bolivien
gewinnt Paraguay zwar einen großen Teil des Gran Chaco-Gebietes,
in dem irrtümlich reiche Erdölvorkommen vermutet werden,
hat jedoch erneut zahlreiche Tote zu beklagen.
1939
wird General José Félix Estigarribia neuer Machthaber
in Paraguay. Er führt verschiedene Wirtschafts- und Sozialreformen
durch. Die innenpolitischen Unruhen verschärfen sich erneut.
Präsident José Félix Estigarribia reagiert 1940
mit der Verabschiedung einer neuen Verfassung, die den Präsidenten
zum Staats- und Regierungschef sowie zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte
in einer Person macht.
1947
bricht unter Präsident Higinio Moringo der bisher letzte große
Bürgerkrieg aus. Die Rebellen (Kommunisten und Liberale) werden
jedoch von den Regierungstruppen geschlagen und fliehen nach Brasilien
und Argentinien.
Neuzeit
(seit 1950)
Im
Mai 1954 putscht sich General Alfredo Stroessner, Sohn eines Bayern
und einer Indianerin, an die Macht. Er stürzt Präsident
Federico Chaves und regiert das Land bis 1989 trotz einer demokratischen
Verfassung mit diktatorischer Härte. Aufgrund seines strikt
antikommunistischen Kurses wird er trotz vielfacher Menschenrechtsverletzungen
lange Zeit von verschiedenen westlichen Regierungen unterstützt.
Aufgrund
eines Abkommens mit Japan siedeln sich 1959 etwa 8.000 Japaner in
Paraguay an. Sie erhalten von der Regierung Land und beginnen mit
dem Anbau von Obst und Gemüse. Ab 1968 werden rund 10.000 weitere
Mennoniten, vor allem Wolgadeutsche, zur Besiedelung und Kultivierung
des kargen Chaco-Gebietes nach Paraguay geholt.
1976
beginnen Brasilien und Paraguay gemeinsam mit dem Bau des Groß-Wasserkraftwerkes
Itaipú am Fluss Paraná, das 1984 in Betrieb genommen
wird.
1989
wird Diktator Alfredo Stroessner nach 35 Jahren durch einen Militärputsch
gestürzt und des Landes verwiesen. Der Anführer der Putschisten,
General Andrés Rodríguez, wird neuer Präsident
Paraguays. Er hebt die Medienzensur auf und läßt die
Oppositionsparteien wieder zu. Es dauert aber bis 1992, bevor eine
neue demokratische Verfassung proklamiert wird (u.a. unterbindet
sie die unmittelbare Wiederwahl des Präsidenten).
Am
9. Mai 1993 geht die Colorado-Partei bei den ersten demokratischen
Wahlen seit der Gründung des Staates als Sieger hervor und
Juan Carlos Wasmosy Monti wird neuer Staats- und Regierungschef
Paraguays.
1995
gründen Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay den "Gemeinsamen
Markt des Südens" (MERCOSUR/"Mercado Común
del Cono Sur"), der u. a. den schrittweisen Abbau der Zölle
zwischen den Mitgliedern vorsieht. Verwaltungssitz der Organisation
ist Montevideo (Uruguay).
Im
Mai 1996 kommt es zu einem landesweiten Generalstreik mit blutigen
Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.
Die Oppositionsparteien sowie die Gewerkschaften fordern nachdrücklich
den Rücktritt von Präsident Juan Carlos Wasmosy Monti,
gegen den ein Korruptionsverfahren läuft, sowie vorgezogene
Neuwahlen. Ein Putschversuch von General Lino César Oviedo
Silva schlägt fehl, Oviedo wird zu 10 Jahren Haft verurteilt.
Aus
den regulären Neuwahlen 1998 geht der neue Führer der
Colorado-Partei, Raúl Cubas Grau, mit rund 54 Prozent der
Stimmen als Sieger hervor. Drei Tage nach seinem Amtsantritt beschwört
Staatspräsident Raúl Cubas Grau mit der Begnadigung
und Freilassung von Ex-General Lino César Oviedo Silva eine
schwere innenpolitische Krise herauf. Die Oppositionsparteien (Wosmosy-Anhänger)
bezeichnen das Vorgehen von Cubas, dessen neue Regierung überwiegend
aus Oviedo-Anhängern besteht, als verfassungswidrig und drohen
ihm mit der Einleitung eines Amtsenthebungsverfahren.
Im
März 1999 wird Vizepräsident Luis María Argaña
in Asunción auf dem Weg zu seinem Büro im Stadtzentrum
von zwei vermummten Männern auf offener Straße erschossen.
Argaña galt als einer der erbittertsten innerparteilichen
Gegner von Staatspräsident Raúl Cubas Grau. Unmittelbar
nach dem Mord brechen in der paraguayischen Hauptstadt schwere Unruhen
aus. Es kommt zu Straßenschlachten zwischen den Anhängern
Argañas und Cubas bzw. Oviedas sowie zu blutigen Zusammenstößen
mit der Polizei.
Wenige
Tage später spricht sich das paraguayanische Abgeordnetenhaus
mit großer Mehrheit für ein Absetzungsverfahren gegen
Präsident Raúl Cubas Grau wegen Amtsmißbrauchs
aus. Darüber hinaus werden er und der ehemalige Heereschef
Lino César Oviedo Silva von der Opposition beschuldigt, in
das Attentat gegen Vizepräsident Luis María Argaña
verwickelt zu sein. Nach dem Rücktritt des Präsidenten
wird Senatspräsident Luis Ángel González Macchi
als Übergangspräsident vereidigt. Ex-Heereschef Lino César
Oviedo Silva setzt sich nach Argentinien ab und wird in der Nähe
von Buenos Aires festgenommen. Oviedo beantragt in Argentinien politisches
Asyl.
Der
Generalstaatsanwalt erläßt auch gegen Raúl Cubas
Grau Haftbefehl. Dieser entzieht sich einer Festnahme mit der Flucht
in die Botschaft Brasiliens in Asunción. Seiner Bitte um
politisches Asyl wird nachgekommen, und man fliegt ihn nach Brasilien
aus.
Unter
Präsident Carlos Saúl Menem lehnt Argentinien das Gesuch
Paraguays auf Auslieferung von Lino César Oviedo Silva ab.
Daraufhin zieht Paraguay seinen Botschafter aus Buenos Aires ab,
worauf Argentinien wiederum ebenfalls mit dem Rückruf seines
Botschafters aus Asunción reagiert. Am 7. Dezember 1999,
wenige Tage vor Amtsantritt des neuen argentinischen Präsidenten
Fernando de la Rúa, setzt sich der Oviedo aus seinem argentinischen
Exil ab, da de la Rúa sich bereits für seine Auslieferung
an Paraguay ausgesprochen hatte. Nach Bekanntwerden der Flucht Oviedos
stellt Paraguay einen internationalen Haftbefehl.
Im
Mai 2000 wird ein Putschversuch von Anhängern des paraguayanischen
Ex-Heereschefs Oviedo Silva von regierungstreuen Truppen niedergeschlagen.
Die Regierung in Asunción verhängt einen zweimonatigen
Ausnahmezustand. Oviedo Silva wird im Juni von brasilianischen Sicherheitskräften
festgenommen. Bei der Direktwahl des paraguayischen Vizepräsidenten
im August 2000 erringt der Oppositions-Kandidat César Franco
Gómez mit knapp 48 Prozent kaum 100.000 Stimmen mehr als
sein Kontrahent von der regierenden Colorado-Partei, Félix
Argaña, ein Sohn des im Vorjahr ermordeten Vizepräsidenten
Luis María Argaña.
Ende
2001 lehnt das Oberste Gericht Brasiliens das Auslieferungsgesuch
Paraguays für Oviedo Silva ab. Oviedo wird auf freien Fuß
gesetzt. Drei Monate später wird in Asunción Ex-Staatspräsident
Raúl Cubas Grau festgenommen, nachdem er "aus Heimweh"
illegal aus seinem dreijährigen Exil in Brasilien nach Paraguay
zurückgekehrt war.
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