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Die
Welzheimer Zeitung schrieb am 26.03.2004
Vom
Juze-Chef zum Lotsen durch Südamerika
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Ein
Bild vom September 2003 - aufgenommen im Jugendhaus vor der
einjährigen Reise, die sein (Berufs-) Leben verändern
sollte: Armin Holp.
Der heute 27-Jährige organisiert nun Reisen nach Lateinamerika,
bei denen die Gäste z. B. in kleinen, landestypischen Hotels
übernachten, so dass der örtliche Mittelstand gestärkt
wird. |
Armin Holp wechselte den Beruf, nachdem er ein Jahr lang
die Lebensbedingungen in Lateinamerika erfahren hatte
Schwaikheim/Oppenweiler
(nz).
Ein Jahr Lateinamerika hat Armin Holp (27) verändert: Er
sah beeindruckende Naturbilder und Touristenattraktionen, aber auch
Armenviertel, Elend und den Kampf dagegen. Das bewog ihn den Beruf
zu wechseln: Der ehemalige Leiter des Jugendhauses organisiert nun
faire Reisen.
18
Länder, 60 000 Kilometer und 357 Reisetage liegen hinter ihm.
Und doch wirkt Holp aus Oppenweiler kein bisschen erschöpft.
Der vitale Endzwanziger steckt voller Pläne: Seinen Pädagogenberuf
will er an den Nagel hängen und sich als Reiseveranstalter
selbständig machen. Auf geplanten Touren durch Lateinamerika
sollen sich seine Kunden nicht nur die Sehenswürdigkeiten,
sondern auch vor Not und Armut nicht die Augen verschließen.
Holp
weiß wovon er spricht. Er hat sich in Chile, Argentinien,
Uruguay und Paraguay oder Ecuador nicht mit Sightseeing begnügt,
sondern schaute sich Sozialprojekte an, lebte in Familien, machte
sich ein reales Bild von Lebens- und Arbeitsbedingungen. Zum Beispiel
in Bolivien. Dort besichtigte der Sozialpädagoge eine Silbermine
auf 4500 Metern Höhe. "Die Gänge sind so schmal,
dass man nicht aufrecht gehen kann. Die Decke ist voll mit Asbest,
Gifte wie Arsen oder Blei liegen in der Luft." Sicherheitsvorkehrungen
gibt es nicht. Die Minenarbeiter schuften für zwei Euro am
Tag, älter als 40 Jahre wird kaum einer.
Bilder,
die sich eingebrannt haben
Im
nordbrasilianischen Salvador da Bahia arbeitete Holp als Englischlehrer
in einem Heim für krebskranke Kinder. Es gab in der Schule
keine Lehrbücher, eine Tafel musste erst gefunden werden, Geld
für Anschaffungen fehlte. Die Bilder haben sich eingebrannt:
"Kinder im Grundschulalter, denen ein Bein amputiert wurde,
15-jährige krebskranke Schwangere mit schlechter Schulbildung
in einer Gegend, die sich über die deutschen Arbeitslosenzahlen
freuen würde. Was haben diese Menschen für eine Zukunftsperspektive?",
fragte sich Holp.
Als
absolutes Negativ-Erlebnis ist ihm ein staatlich geleitetes psychiatrisches
Krankenhaus geblieben, in dem kranke Menschen in Zellen gesperrt
und fast ausschließlich mit starken Medikamenten behandelt
wurden.
Doch
der Reisende hat auch viele schöne Erinnerungen mitgebracht.
Das Schwimmen mit Alligatoren in Brasilien - "Wenn man ihn
erst mal gestreichelt hat, traut man sich auch mit ihm zu schwimmen"
- oder auch das Piranha-Fischen im Pantanal, einem der größten
Sumpfgebiete der Erde. Unvergesslich bleiben der Aufstieg auf den
über 6000 Meter hohen Berg Huayna Potosi in Bolivien, Wildwasserfahren
in Peru und Ecuador und eine Rundreise durch Kolumbien.
Ursprünglich
wollte der sozialkritische Globetrotter nach Panama weiterfliegen,
Mitreisende überzeugten ihn jedoch, sich über die Reisewarnungen
des Auswärtigen Amtes hinwegzusetzen und Kolumbien zu besuchen.
Statt Guerillas und Drogen-Dealern fand er sein Lieblingsland: "Die
größte Artenvielfalt pro Quadratmeter auf dem Planeten,
Indianer-Ruinen, schön wie die in Peru, Traumstrände,
die freundlichsten Menschen und die schönsten Frauen."
Auch
von vielen Hilfsprojekten zeigt sich der ehemalige Jugendhausleiter
beeindruckt. Er besichtigte ein Leprakrankenhaus, ein Straßenkinderheim,
eine Schule unter der Leitung von mennonitischen Einwanderern aus
Deutschland und einem "mobilen Operationssaal" der Christoffel-Blindenmission,
in dem in vier Tagen etwa 300 Blinde operiert wurden.
Von
Spendengeldern, die ihre Adressaten nicht erreichen, kann Holp nicht
berichten. "Bei allen Projekten hatte ich den Eindruck, dass
das Geld seiner Bestimmung zukommt und die Menschen eine engagierte
Arbeit leisten." Doch der Pädagoge gibt zu bedenken: "Diese
Arbeit kann nur rettend agieren. Wenn einem Menschen geholfen wird,
stehen zwei neue, noch ärmere vor der Tür. Um etwas ändern
zu können, muss man das Problem an der Wurzel packen."
Um seinen Teil zu einer langfristigen Verbesserung zu leisten, will
sich Holp als fairer Reiseveranstalter betätigen. Luxusreisen
gibt es bei ihm nicht, dafür will er mit seinen Kunden neben
Sehenswürdigkeiten auch die sozialen Brennpunkte vor Augen
führen. Übernachtet wird in landestypischen Hotels, um
den örtlichen Mittelstand zu stärken. Vorträge und
Spendenaktionen in Deutschland hat Holp geplant. Einen Namen für
sein Unternehmen hat er schon gefunden. Esperanza - zu Deutsch:
Hoffnung.
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