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Die
Stuttgarter Zeitung schrieb am 05.06.2004
Der
ehemalige Boss im Juze ist jetzt sein eigener Chef
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Die
langen Haare sind ab, doch das Lachen ist geblieben: Armin hat
sich als Reiseveranstalter selbständig gemacht |
Eine
einjährige Reise durch Südamerika inspiriert Armin Holp
- Der Existenzgründer ruft die Esperanza-Tours ins Leben
OPPENWEILER.
Armin Holp aus Oppenweiler hat auf seiner Tour durch Südamerika
60 000 Kilometer zurückgelegt. Er wurde überfallen, hat
dennoch viele Freundschaften geknüpft und spricht nun gut Spanisch.
Jetzt will er mit "nachhaltigem Tourismus" sein Geld verdienen.
Von
Martin Tschepe
Die
langen Haare sind ab, doch das Lachen ist geblieben: Armin Holp
sah früher ziemlich wild aus, standesgemäß, könnte
man sagen, schließlich war er Vorsitzender des selbst verwalteten,
linken Jugendzentrums in Backnang. Doch mit einem Haarschnitt wie
früher könnte er unmöglich Geschäfte machen
in Südamerika, erklärte der 28-jährige Sozialpädagoge
und grinst wieder sein altbekanntes Grinsen.
Holp hat sich jetzt selbständig gemacht. Das Reisebüro
Esperanza-Tours (Esperanza ist das spanische Wort für Hoffnung)
ist fürs Erste in seinem ehemaligen Kinderzimmer im elterlichen
Wohnhaus in Oppenweiler-Rohrbach untergekommen. Von diesem idyllischen
Flecken mitten im schwäbischen Wald aus will der Existenzgründer
künftig seine Kunden durch Südamerika lotsen. Holp verspricht
"nachhaltigen Tourismus" und preiswerte Reisen. Seine
Gruppen sollen in den Ländern mit Bussen unterwegs sein - nicht
mit Flugzeugen, sie werden in lokalen Mittelklassehotels nächtigen,
die Einheimischen gehören - nicht internationalen Spitzenherbergen.
Auf den Reisen will Holp auch soziale Einrichtungen ansteuern, und
1,5 Prozent des Reisepreises soll als Spende an Bedürftige
weitergegeben werden.
Eine Beratung im Backnanger Kompetenzzentrum Bitz brachte Holp den
nötigen Schein für die sechsmonatige Zahlungen des Arbeitsamts.
Nach seiner einjährigen Reise durch Südamerika war Holp
nämlich arbeitslos gemeldet, das Überbrückungsgeld
der Behörde fließt nun bis Ende August. Anfang September
beginnt die erste Reise von Esperanza Tours, es geht für drei
Wochen nach Argentinien. Ein Tipp des Vaters hatte den Jungunternehmer
auf seine Geschäftsidee gebracht. "Mach doch das, was
du am besten kannst, zu deinem Beruf: Reisen", hatte Adolf
Holp seinem Filius geraten. Der Herr Papa ist ganz begeistert vom
Sohnemann. Der rüstige Ruheständler ist im Frühjahr
nach Südamerika gereist, jetzt kann er mitreden, wenn er während
der Abwesenheit von Armin daheim das Büro hütet.
Warum eigentlich Südamerika? Armin Holp hat Ende 2002 schlicht
genug von seinem Job, den er seit dem Studium in Stuttgart ausübt.
Damals ist er Leiter des Jugendhauses in Schwaikheim, und die ständigen
Reibereien mit der Gemeindeverwaltung nehmen ihm den Spaß
an der Arbeit: also Reisen, möglichst weit weg, möglichst
lange. Holps Wahl fällt wohl eher zufällig auf Südamerika,
es hätte wohl auch Afrika werden können. Aus den geplanten
sechs Monaten wird ein ganzes Jahr. Der Reisende aus Oppenweiler
legt in 18 südamerikanischen Ländern 60 000 Kilometer
mit Bussen und Schiffen zurück. Der Sozialexperte erlebt die
Armut hautnah, er besucht unter anderem ein Leprakrankenhaus, ein
Straßenkinderheim und ein Psychiatrie-Krankenhaus, in dem
die Menschen in kleine Zellen eingesperrt werden. Er schwimmt mit
Alligatoren, arbeitet ehrenamtlich als Englischlehrer in einem Heim
für krebskranke Kinder und gewöhnt sich vergleichsweise
schnell an die südamerikanische Mentalität. Als er einem
Busfahrer im bolivianischen Regenwald eines Tages fragt, wie lange
die Fahrt denn dauern dürfte, heißt es: "Zwischen
zwölf Stunden und drei Tagen, je nach Wetter." In Brasilien
wird er überfallen und wehrt sich erfolgreich. Holp setzt sich
über eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes hinweg und
besucht auch Kolumbien, zunächst "mit einem mulmigen Gefühl",
wie er sagt. Doch dann wird Kolumbien zu seinem absoluten Traumland:
auch wegen den schönen Stränden und den heißen Frauen.
Heute sagt Holp, das Jahr in Südamerika sei das schönste
seines Lebens gewesen. Von September an will er seinen Reisegruppen
"die reale Situation" der Menschen in Südamerika
näher bringen, von Luxusreisen mit Fünfsternehotel und
ausschließlich touristischen Höhepunkten hält er
wenig. Aus dem Juze-Boss von damals ist ein Geschäftsführer
geworden, der seine Ideale ganz offenkundig nicht über Bord
geworfen hat.
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